294 - Eichhörnchen, Pferde und Glockenkurven

Shownotes

Ein Eichhörnchen, ein Hund und ein Pferd. Wie hoch kann jedes dieser Tiere springen? Die Antwort ist überraschend – und hat mehr mit Risikomanagement zu tun, als du denkst. In dieser Folge geht es um ein Modell, das das Denken über Risiken in Organisationen seit Jahrzehnten dominiert. Es klingt vernünftig. Es ist weit verbreitet. Und es macht uns systematisch blind für genau die Ereignisse, die alles verändern. Was passiert, wenn Extremereignisse keine Ausnahmen sind – sondern die Regel?

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Viel Spaß beim Hören! Dein David & Martin

Martin Aigner:

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David Symhoven:

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Wirksam führen mit Systemtheorie

Black Swan

Folge über Monte Carlo Simulation

Transkript anzeigen

00:00:01: Herzlich willkommen bei Wir Müssen Reden, dein Podcast für agile Organisationsentwicklung mit David Zumhofen und Martin Eigner.

00:00:08: Hier geht es um Organisationsentwicklungen, moderne Führung, Teamdynamiken und die Herausforderungen komplexer Systeme.

00:00:15: Schön dass du wieder eingeschaltet hast!

00:00:16: Und los geht's.

00:00:21: einen wunderschönen guten Tag zusammen.

00:00:23: diesen Impuls möchte ich wieder mit einem kleinen Rätsel starten.

00:00:27: Stell dir vor Du hast ein Eichhörnchen, einen Hund und ein Pferd.

00:00:32: Wie hoch kann jedes dieser Tiere springen?

00:00:35: Denk mal kurz nach, intuitiv.

00:00:36: Du kannst auch kurz die Folge stoppen.

00:00:38: Aber was ist deine erste... sozusagen dein erster Impuls?

00:00:43: Ich werde dir Antwort nicht sofort verraten aber ich verspreche dir die Antwort zu kennen wird ein Bild von Risikomanagement in Organisation vermutlich grundlegend ändern.

00:00:52: Also es lohnt sich dran zu bleiben.

00:00:54: Aber fangen wir woanders an.

00:00:57: Organisation stehen permanent unter Entscheidungszwang.

00:01:00: das weißt du vermutlich schon wie du diesen Podcast länger hörst.

00:01:03: Und mit jeder Entscheidung gehen Risiken einher.

00:01:05: Das weiß jeder, der schon mal in den Organisationen gearbeitet hat!

00:01:09: Die Frage ist nicht ob Risiken existieren sondern wie wir über sie nachdenken.

00:01:14: und da liegt das eigentliche Problem.

00:01:16: Nicht im Risiko selbst sondern in dem Modell dass wir benutzen um diese Risiken zu verstehen.

00:01:21: Das gängste Modell im Risikomanagement passiert auf einer Normalverteilung.

00:01:24: es wird heute wahrscheinlich wieder ein bisschen mathematischer aber ich probiere es in Grenzen zu halten.

00:01:28: Nichtsdestotrotz sei so spannend und relevant finde.

00:01:33: Die Normalverteilung ist auch besser bekannt als die Gauss-Verteilung oder eben eine Glockenkurve.

00:01:38: Auf der einen Achse, auf der X-Achse wird meistens die Eintrittswahrscheinlichkeit auf der anderen Achse und die Y-Aachse die Auswirkungen aufgetragen.

00:01:45: Alles was sich innerhalb dieser Kurve befindet also innerhalb dieser Glockenkurve bekommt Maßnahmen.

00:01:50: Alles außerhalb, also hoher Auswirkung geringer Eintritswahrscheinlichkeiten gilt als unwahrscheinlich.

00:01:56: Nicolas Talep nennt diese Ereignisse Black Swans – also zu Deutsch schwarze Schwäne!

00:02:02: Das Modell klingt total vernünftig, also das mit den Glockenkurven ist es sogar intuitiv.

00:02:06: Das Problem ist nur... Es stimmt nicht immer!

00:02:12: Natürlich haben wir Normalverteilung und natürlich ist das ein adäquates Mittel.

00:02:15: Ich glaube nur man muss wissen wann man das anwendet und in meisten Fällen stimmt das eben nicht.

00:02:21: In der Natur finden wir nämlich viel häufiger eine ganz andere Verteilung Nämlich die sogenannte Pareto-Verteilungen.

00:02:28: Pareto auch In der Mathematik, eher bekannt als Potenzgesetze haben eine ganz grundlegend andere Logik.

00:02:35: Und wenn man diese Logik zugrunde legt dreht das eigentlich das gängige Risiko-Denken und das gengige Risikomanagement vollständig auf den Kopf.

00:02:44: In einer Normalverteilung werden extreme Ereignisse wie ich eingangs erwähnt habe als Ausnahm angesehen.

00:02:48: Das ist statistisches Rauschen, Anomalien.

00:02:51: Wenn ein Eregnis weit genug vom Durchschnitt entfernt ist wird es für so unwahrscheinlich gehalten dass man es vernachlässigt.

00:02:57: In einer Paretoverteilung sind extreme Ereignisse unvermeidlich.

00:03:01: Die Frage ist also nicht, ob.

00:03:03: die Frage ist nur wann und in welcher Auswirkungen?

00:03:05: Also wie stark das Eregnis ist.

00:03:08: Und da gibt es noch ein zweites Problem!

00:03:10: In realen Organisationen sind Risiken selten unabhängig voneinander... ...und in der Regel tun wir aber so als wären sie das Der klassische Risikomanager.

00:03:18: wenn ich dir jetzt alle mal über einen Kampf stellen darf Rechnet sauber Gesamtrisiko gleich Risiko eins plus Risiko zwei plus Risico drei Drei unabhängige Erecnisse ordentlich addiert.

00:03:28: Bastion!

00:03:29: Aber in der Wirklichkeit verstärken sich Ereignisse gegenseitig, ein Lieferant fällt aus gleichzeitig steigt die Nachfrage, gleichzeitig gibt es regulatorische Änderungen.

00:03:37: You name it.

00:03:39: Eines löst das nächste aus Es entsteht eine Kaskade.

00:03:43: Das gesamte Risiko ist nicht die Summel der Einzelrisiken, es ist eher vielmehr das Produkt ihrer Kupplung.

00:03:50: Und in diesen Paretoverteilung wenn man sich die mal anguckt spricht Talab eben von einem sogenannten Fat Tail Da wo die Normalverteilung eigentlich am Rand hin sehr stark abflacht, zeigt hingegen die Paretoverteilungen dass die Ereignisse, die für uns eher unwahrscheinlich gelten oder wir als unwahrscheinlich angesehen haben gar nicht so unwahrsheinlich sind.

00:04:10: Sie werden nur von einem Modell nämlich der Glockenkurve von der Normalverteilung unsichtbar gemacht.

00:04:17: dieses Modell ist aber für unsere Welt gar nicht gebaut und das hat drei Konsequenzen die ich für fundamental halte.

00:04:23: erstens verlieren Erwartungswerte ihre Bedeutung.

00:04:27: In einer Pareto-Welt kann ein einziges Ereignis, das gesamte Eregnis so stark verschieben dass alle bisherigen Durchschnittswerte quasi wertlos werden.

00:04:34: Das Beispiel was ich mal gehört oder auch gelesen habe wahrscheinlich kommt sogar von Taleb selber ist Stell dir vor du hast einen Stadion also ungefähr achtzig tausend Leute mit deren durchschnittsvermögen und dann packst Du ein Elon Musk dazu als jetzt mittlerweile reichster Mensch der Welt der auf die erste der wahrscheinlich der erste Billionär auf diesem Planeten wird.

00:04:53: das heißt Achtzigtausend Leute, ihr Durchschnittsvermögen.

00:04:56: Dann packst du Elon Musk mit in dieses Stadion und der Durchschnitz-Vermögen hat sich exorbitant erhöht.

00:05:03: Exorbitan!

00:05:05: Das heißt, der Durchsnitzwert sagt nichts mehr über die tatsächliche Verteilung des Vermögens im Stadionen aus.

00:05:11: Zweitens werden historische Daten unzuverlässig – eine Pareto-Weltfrag nach Ereignissen, die noch nie aufgetreten sind.

00:05:19: Ein Modell das auf Vergangenheitsdaten basiert ist strukturell blind für das, was noch nie passiert ist.

00:05:26: Aber genau das sind ja die Black Swans Ereignisse, die noch nie in der Vergangenheit passiert sind aber die so eine Exorbitante oder so eine starke Auswirkung hätten.

00:05:35: und drittens wären Wahrscheinlichkeiten nachrangig.

00:05:38: Wenn es Eregnis so groß ist und so eine massive Auswirkungen hat dass es die Existenz einer Organisation bedroht ist die Frage ob es jetzt nachher zwei Prozent oder acht Prozent Eintrittswahrscheinlichkeit hat vollkommen irrelevant.

00:05:51: Die vielrelevantere Frage ist, sind wir vorbereitet strukturell und überleben wir dieses Ereignis überhaupt?

00:05:58: Kommen wir zurück zu unserem Tier Rätsel.

00:06:01: Ein Eichhörnchen ein Hund und einem Pferd wie hoch springen sie?

00:06:04: das war die Frage.

00:06:05: Und intuitiv würde man glaube ich sagen ja klar pferd grösses tier super stark wird am höchsten springen.

00:06:11: Lustigerweise spring alle drei Tiere ungefähr gleich hoch circa ungefähr einen Meter.

00:06:17: Die Größe des Stiers spielt gar keine so große Rolle Und der Grund steckt eben genau in so einem Potenzgesetz.

00:06:23: Wir Menschen sind für diese Potenzgesetze intuitiv nicht gemacht, wir tun uns schwer intuitiv die Gesetze zu verstehen.

00:06:31: Das liegt daran dass die Stärke eines Muskels von seiner Querschnittsfläche abhängt und die Fläche wächst quadratisch.

00:06:37: Die Masse eines Tieres hingegen fängt vom Volumen ab und Volumen wächst mit der dritten Potenz.

00:06:43: Wenn du ein Tier also doppelt so groß macht wird es viermal so stark aber acht mal so schwer.

00:06:49: Je kleiner ein Tier, desto stärker ist es im Verhältnis zu seinem Gewicht.

00:06:53: Quadrat gegen Kubik – das ist ein Potenzgesetz und solche Gesetze gelten überall.

00:06:58: wenn du genau hinschaust Die Schwerkraft nimmt zum Beispiel mit dem Quadrat der Entfernung ab Luftwiderstand steigt mit dem Quadrat der Geschwindigkeit.

00:07:07: Das ist der Grund warum du, wenn du statt Hundert kmH, Zweihundert kmH fährst nicht den doppelten Spritverbrauch hast sondern den Vierfachen.

00:07:14: Und eben extreme Ereignisse in Organisation folgen keiner Glockenkurve.

00:07:18: Sie folgen einer Potenzverteilung.

00:07:20: Beziehungsweise präziser müsste ich sagen extremer Ereignisse, die einen in der Umwelt, die ein Einfluss auf die Organisation haben.

00:07:27: Die folgen keiner Glockenkurve sondern eine Potenz-Verteilung.

00:07:30: Das Eichhörnchen scheint klein und unbedeutend Und trotzdem springt es gleich hoch wie im Pferd weil sich gerade zugrunde liegende Gesetze nicht linear verhalten.

00:07:38: Genauso erscheinen manche Risiken kleinen unbedeutend bis sie es nicht mehr sind.

00:07:43: Was bedeutet das jetzt praktisch?

00:07:45: Ich denke es braucht ein Wandel in der Gumpffrage her, in der Struktur und zwar in drei Schritten.

00:07:50: Der erste Schritt ist weg von einer Frage hin was ist wahrscheinlich, hin zu einer Frage was ist denn möglich?

00:07:58: Wer nur in Wahrscheinlichkeiten arbeitet optimiert für die Mitte der Verteilung ja für die mitte einer Glockenverteilung.

00:08:04: wer mit Möglichkeiten denkt öffnet sich erst mal für diesen Fatale einer Paretoverteilungen.

00:08:09: doch ich würde noch einen Schritt weitergehen.

00:08:11: Der zweite Schritt weg von Was Ist Möglich Hinzu, was ist plausibel?

00:08:17: Das ist eigentlich der entscheidende Sprung.

00:08:18: Denn viele extreme Ereignisse sind für die Menschen ja gar nicht davorstellbar.

00:08:22: Möglich setzt er... also was ist möglich, setzt er implizit voraus dass wir uns etwas vorstellen können.

00:08:30: Plausibel hingegen öffnet erstmal den Raum für Szenarien, die auf dem ersten Blick schon fast absurd wirken aber einer inneren Logik folgen.

00:08:37: Sie sind koherent eine kohärente Abfolge von Eregnissen, die sich gegenseitig verstärken, die niemand geplant hat.

00:08:44: Und je weiter man sich in diesen Fatale hineinbegibt, desto mehr braucht man genau diese Denkweise.

00:08:51: Der dritte Schritt ist dann die Entkopplung als Organisationsprinzip.

00:08:55: Wenn Risiken im realen System korreliert und gekoppelt sind, dann wäre meine logische Schlussfolgerung das die Wirksamstgegenmaßnahme ist.

00:09:02: nicht bessere Vorhersage wo wir Weltmeister drin sind Zahlen optimieren, Daten optimieren KPI's optimieren sondern eine strukturelle Entkopplung Redundanz schaffen Puffer aufbauen, lose Koppelung zwischen den verschiedenen Systemteilen meiner Value Chain oder meiner Lieferantenkette.

00:09:21: In einer Gausswelt klingt das nach Verschwendung?

00:09:24: Ist es auch.

00:09:25: in einer Pareto-Welt ist es Überlebensvoraussetzung und vielleicht ist das die grundlegendste Verschiebung hier.

00:09:30: weg von der wie maximiere ich Rendite hinzu wie stelle ich sicher dass sich das nächste extremen Ereignis überhaupt überlebe?

00:09:38: erst Existenzsicherung dann Optimierung.

00:09:42: Tim Richter und Thorsten Groth, die in ihrem sehr lesenswerten Buch führen mit Systemtheorie heißt das Buch glaube ich.

00:09:48: Auch gesagt haben dass die Führung oder die Funktion von Führungen ist Existenzsicherung über Lebenssicherung.

00:09:54: es geht gar nicht um Maximizing und Optimierung sondern es geht darum die Existenze zu sichern.

00:09:59: Der aufmerksame Zuhörer und die aufmerksamme Zuhöhrerin könnte jetzt kritisch hinterfragen und sagen, hey David aber du hast doch auch hier mal deine Monte Carlo Simulation vorgestellt.

00:10:08: Und die basieren doch auch auf Normalferteilungen das basiert doch auf historischen Daten.

00:10:12: Und ja würde ich sagen dass ist auch vollkommen korrekt!

00:10:15: Ich nutze diese Modelle gerne selber und ich habe auch nie behauptet dass es keine Normalverteilung gibt oder dass sie schlecht sein.

00:10:23: Ich glaube man muss nur wissen wann man sie anwendet.

00:10:26: Denn wenn ich jetzt zum Beispiel Vorkast für Team mache, den gewissen Durchsatz pro Woche haben oder pro Sprint oder pro Zeit-Einheit ganz allgemein.

00:10:33: Dann kann ich sehr sicher sein und das überprüfe ich vorher dass diese Sachen normal verteilt sind – und das sind sie!

00:10:40: Es ist eben nicht so wie bei den Gehältern oder wie beim Vermögen das eine Ereignis den kompletten Mittelwert ruiniert sondern werden ein Team fünfzehn Einheiten Pakete Arbeitspakete was auch immer pro Woche schafft Dann wird es vielleicht in der nächsten Woche siebzehnt schaffen und vielleicht auch mal in einer Woche zehn, oder in einer richtig super guten Woche vielleicht mal fünfundzwanzig.

00:10:58: Aber nicht auf einmal tausend!

00:10:59: Das ist ausgeschlossen.

00:11:01: Und wenn ich solche Situationen habe dann kann ich solche Modelle die auf eine Normalverteilung basieren auch anwenden.

00:11:08: Also man muss wissen mit was man das zu tun hat und dann die passenden Modelle anwänden.

00:11:13: Risikomanagement dass sich alleine auf Normalverteilungen konzentriert und darauf fußt so wie wir es klassisch tun im Risikkomanagement.

00:11:21: Das ist gefährlich, denn viele Ereignisse und das habe ich hoffentlich in diesem Impuls klarmachen können folgen eben keiner Normalverteilung sondern sind Pareto verteilt.

00:11:31: Und in einer Pareto-Welt gelten grundsätzlich Grundlegend andere Gesetze als in einer normal verteilten Welt.

00:11:37: Das sollte man wissen und damit sollte man umgehen können!

00:11:41: Ich hoffe dieser Impuls war wieder hilfreich für dich.

00:11:43: Ich wünsch dir eine wahrnehmungsreiche Woche und bis dahin alles Gute.

00:11:47: dein David.

00:11:51: Du hast eine Frage oder ein Thema, das wir für dich in einer Folge beleuchten sollen.

00:11:55: Du suchst neue Impulse, möchtest mit uns zusammenarbeiten, benötigst Supervision?

00:12:00: Kein Problem!

00:12:01: Meld dich gerne bei uns unter podcast at wir-missen-reden.net Oder besuche unsere Webseite unter wir-mission-rede.net.

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